Wiesenthaler K3

Wiesenthaler K3 – Weihnachtskrippen im Museum für Wintersport und Stadtgeschichte Oberwiesenthal

Im Museum wird neben dem Wintersport auch die Stadtgeschichte gezeigt. Dazu gehören die Oberwiesenthaler Weihnachtskrippen, die sich durch einen eigenen Stil auszeichnen. Weihnachtsberge sind bis heute im gesamten sächsischen Erzgebirge verbreitet, aber klar abgrenzbare regionale Besonderheiten gibt es sonst kaum. 


Ullmann-Krippe
»Ullmann-Krippe«, Foto: Wiesenthaler K3

Ullmann-Krippe

„Die Krippe soll das Zentrum sein!“ Diesen Grundsatz der Oberwiesenthaler Krippenbauer beherzigt auch Friedrich Gustav Ullmann (1873-1947), als er ab 1912 seinen Weihnachtsberg gestaltet. Auf einer Fläche von 15 Quadratmetern finden sich 128 Figuren – aus Lindenholz geschnitzt und von Ullmann selbst bemalt. Die ganze Komposition ist auf die Geburt Jesu ausgerichtet. Entsprechend den strengen Grundsätzen des örtlichen Krippenvereins verzichtet Ullmann auf jede Mechanisierung. Und trotzdem zeigt sich im ganzen Weihnachtsberg die Bewegung von Mensch und Tier hin zur Krippe. „Der Berg war sein Lebenswerk“, sagt Sohn Herbert Ullmann. Die Leinwand, ebenfalls im orientalischen Stil gestaltet, wird in den 1920er Jahren von Sohn Alfred Ullmann ergänzt.

 

Im Werk Friedrich Gustav Ullmanns erkennt man auch die Spuren von zwei anderen Oberwiesenthaler Persönlichkeiten. Als Ullmann mit seiner Arbeit beginnt, ist der Schnitzer und Dekorationsmaler Carl Hertelt längst ein weit über den Ort hinaus bekannter Meister im Krippenbau. Seine Figuren sind enorm ausdrucksstark und kommen durch die hervorragend abgestimmte Farbgebung besonders zur Geltung. Für die örtliche Krippenschnitzerei ist Hertelt stilprägend.

 

Den Oberwiesenthaler Krippenbauern geht es dabei immer um eine enge Orientierung an der biblischen Weihnachtsgeschichte. Prägend ist hier Ortspfarrer Emil Böhme durch sein über 40jähriges Wirken. „Mittelpunkt ist der Stall mit dem Christkind in der Krippe, Maria und Joseph und den anbetenden Hirten. Der Zug der Weisen kommt in der Ferne von Jerusalem her, auf dem Hirtenfeld rechts vom Beschauer die Verkündigung des Engels an die Hirten bei den Hürden. Hirten eilen dann zur Krippe vom Felde und aus der Stadt.“ So beschreibt Pfarrer Böhme seine Vorstellung von einem Weihnachtsberg und fast genau so hat es Friedrich Gustav Ullmann umgesetzt.

 

Hertelt und Böhme sind Gründungsmitglieder des 1894 ins Leben gerufenen Krippenvereins Wiesenthal. Mit sieben Männern gestartet, steigt die Mitgliederzahl innerhalb weniger Jahre auf über 100 an, von denen allerdings nur ein Teil Schnitzer sind. Von Anfang an gibt es klare Regeln, wie ein Weihnachtsberg auszusehen hat. Die Entwicklung des spezifischen Oberwiesenthaler Stils wird dadurch entscheidend begünstigt. 


Hertelt-Krippe
»Hertelt-Krippe«, Foto: Wiesenthaler K3

Hertelt-Krippe

Man sieht ihnen das Alter nicht an. Über 150 Jahre haben sie jetzt schon auf dem Buckel. Den frischen Gesamteindruck verdanken die Krippenfiguren ihrer besonderen Farbigkeit. Um 1870 gestaltet der Oberwiesenthaler Malermeister und Schnitzer Carl Hertelt (1837-1921) diese Krippe aus Pappe.

 

Krippen aus Papier und Pappe finden über Böhmen und Mähren ihren Weg ins sächsische Erzgebirge. Nicht alle Haushalte können sich geschnitzte Figuren leisten. Da sind von Verlagen gedruckte Krippenbögen eine preiswerte Alternative. Die Hertelt-Krippe ist jedoch ein Unikat, alles ist handbemalt.

 

Das künstlerische Talent von Carl Hertelt fällt schon früh auf. Mit 12 Jahren malt er einen bekannten Christuskopf und andere biblische Motive. Hertelt macht seine Leidenschaft zum Beruf und wird Maler. Seine Ausbildung erhält er auf der böhmischen Seite des Erzgebirges im knapp 20 Kilometer von Oberwiesenthal entfernten Schlackenwerth (Ostrov). Als Maler gestaltet er u.a. Deckengemälde in großen Sälen und Kirchen des oberen Erzgebirges. Die Figuren aus Pappe im Oberwiesenthaler Museum zählen zu seinen frühen Arbeiten im Bereich der Weihnachtskrippen.

 

Bekannt wird Carl Hertelt vor allem als Krippenschnitzer. Auch bei den Werken aus Holz wendet er spezielle Maltechniken an, die den Figuren eine besondere Leuchtkraft verleihen. Mit seinem feinen Gespür für Gestik und Haltung schnitzt Hertelt Figuren von außerordentlicher Qualität. Genau nimmt es der Krippenbauer auch mit den historischen Bezügen. Hertelt hält sich nicht nur treu an die biblische Weihnachtsgeschichte, er besorgt sich auch Fotografien von der Gegend um Bethlehem und lässt sich von Ortskundigen beraten. So sind Werke von Carl Hertelt in jeder Hinsicht Originale.

 

Als Betrachter findet man sich mitten im Geschehen wieder. Alles wirkt lebendig. Mit seinem Stil prägt Carl Hertelt die örtliche Krippenschnitzerei und auch die Mächtigen sind begeistert. Bis in die Königshäuser in Dresden und Amsterdam schaffen es die Krippen von Carl Hertelt.

 

Doch der Meister bleibt stets bodenständig. Eine Postkarte zeigt ihn, 70 Jahre alt, bei seinem Schaffen. Im Arbeitskittel und mit Ballonmütze auf dem Kopf sitzt er nachdenklich an der Werkbank. Der buschige Schnurrbart prägt das Gesicht. In der Hand hält er das fast vollendete Werkstück: ein Kamel mit einem der drei Weisen. Mit nur zwei Worten beschreibt sich Hertelt auf der Grußkarte aus Oberwiesenthal: „Christ“ und „Schnitzer“. Carl Hertelt weiß zeitlebens, wer er ist.


Informationen zu den Öffnungszeiten und Eintrittspreisen findet man auf der Website des Museums.

 

"Wiesenthaler K3"
Karlsbader Straße 3
09484 Kurort Oberwiesenthal

Telefon: 037348 / 1550-50
E-Mail: info@oberwiesenthal.de